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Als Fontane im Frühjahr 1852 auf dem Wege nach London
war, schrieb er am 17. April 1852 in Brüssel an seine Frau
Emilie, dass er nicht über seine reichen Erlebnisse berichten
könne, »(…) mein Brief würde sonst endlos werden. Man reist
ohnehin um zu sehen und nicht um zu schreiben.« Keiner hielt
sich indes weniger an diese Maxime als er.
Dieses »Sehen« Fontanes habe ich nun wieder aufgegriffen,
zumal er nicht nur ein »märkischer Heimatdichter« war, son
dern vor allem auch ein märkischer Europäer. Las seine Essays,
Tagebücher und Impressionen über seine Reisen in Europa.
Wählte Texte aus, die einen malerischen Bezug aufweisen. Und
suchte die Orte auf, die er aus seiner Sicht so eindringlich be
schrieben hat. Immer mit meinen Malutensilien im Gepäck
und auf der Suche nach einer malerischen Komposition. Das
sinnliche Empfinden beim Sehen des Ortes spielte dabei bei
der malerischen Umsetzung eine nicht unerhebliche Rolle.
Herauszuheben waren vor allem seine langjährigen Aufenthal
te in England und seine Reise mit seinem Freund Lepel durch
Schottland, die er in »Jenseit des Tweed« niederschrieb. Al
lein die wunderbaren nordischen Landschaften Schottlands,
die Highlands, die ich im Herbst aufsuchte, boten mir eine
Farbenpracht – von Orange bis zum intensiven Grün – und
eine Weite und Tiefe durch die langgezogenen See-Einschnitte
in den Tälern. Und immer wieder burgartige Städte mit ihren
felsartigen Strukturen.
Fand in Fontanes Texten häufig plastische bildhafte Beschrei
bungen, die mich zu einer malerischen Umsetzung verführten,
ohne dass es zur Illustration wurde. So unter anderem durch
seinen Text zum Stirling-Castle.
Obwohl Fontane ein großer Freund des Nordens war, so sind
doch seine Reiseschilderungen in den romanischen Ländern
wie Frankreich und Italien für mich ein Genuss gewesen, auch
diese Orte aufzusuchen und mit meinen Mitteln einen Dialog
aufzunehmen. Versuchte, mich in der Regel an der Stimmungs
lage des jeweiligen Ortes, den Fontane häufig ausführlich be
schrieb, zu orientieren. Ließ mich auf die übliche Illustration
solcher Vergleiche nicht ein, sondern versuchte mit Andeutun
gen und Skizzierungen die Luftigkeit der Texte aufzunehmen,
um so das Atmosphärische mittels Pinsel und Aquarellfarbe
auf Papier zu bannen.
Hans-Jürgen Gaudeck
Epilog